WEICHENSTELLUNG: Ein erfolgreiches Integrationsprojekt an der Gretel

Unsere Schule ist bereits seit Jahren Teil des Mentoring-Programms WEICHENSTELLUNG für zugewanderte Kinder und Jugendliche der Hamburger ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius. Das Ziel: junge Menschen zu stärken und chancengerechte Bildung zu ermöglichen, unabhängig von Herkunft und sozialem Hintergrund.

Wir wollen auf das Projekt und seine Erfolge an der Gretel aufmerksam machen. Nach einer allgemeinen Einführung folgt ein Rückblick unserer Kollegin Karola Krause auf eine intensive und erfolgreiche Zusammenarbeit mit WEICHENSTELLUNG.

 

Allgemeine Informationen zum Mentoren-Projekt Weichenstellung

WEICHENSTELLUNG für Zuwandererkinder und -jugendliche begleitet unsere Schüler:innen aus Zuwandererfamilien der Jahrgangsstufen 5/6 und 7/8 beim Übergang von der Internationalen Vorbereitungsklasse (IVK) in die Regelklasse. Das Programm hilft ihnen dabei, gut in der Gesellschaft anzukommen, ihre Bildungschancen wahrzunehmen und die Weichen für die Zukunft zu stellen.

Dafür unterstützen Lehramtsstudierende und Studierende anderer Fachrichtungen als Mentorinnen und Mentoren motivierte Schülerinnen und Schüler, die Mentees, bis zu zwei Jahre beim Übergang von der Internationalen Vorbereitungsklasse in die Regelklasse. Sie vermitteln ihnen wichtige Fähigkeiten für das selbstständige und wirksame Lernen, helfen in zentralen Schulfächern und bei der Vorbereitung auf Tests und Prüfungen. Darüber hinaus sind sie für ihre Mentees Bezugsperson und Ratgebende in verschiedenen Lebensbereichen und unternehmen mit ihnen regelmäßig gemeinsame Ausflüge und kulturelle Aktivitäten.

Die ZEIT-Stiftung will mit WEICHENSTELLUNG für Zuwandererkinder und -jugendliche zu Integration in und Teilhabe an der Gesellschaft beitragen. Alle Beteiligten profitieren: Die Schüler:innen erhalten individuelle Unterstützung beim Ankommen in Hamburg und in der neuen Schule. Und die Studierenden sammeln praktische Erfahrungen für ihren zukünftigen Beruf als Lehrkraft und erwerben für ihre Mentor:innentätigkeit Fähigkeiten, die ihnen auch auf ihrem persönlichen beruflichen Weg weiterhelfen.

Das Projekt WEICHENSTELLUNG für Zuwandererkinder und -jugendliche startete die ZEIT-Stiftung im Jahr 2015 als Pilotprojekt in Kooperation mit der Til Schweiger Foundation. Seit 2018 engagiert sich auch die Hans-Dornbluth-Stiftung. Dank einer Zuwendung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen der Initiative „Menschen stärken Menschen“ konnte das Projekt stark ausgeweitet werden.

Weitere Infos zum Mentoring-Programm unter

www.weichenstellung.info oder www.zuwandererkinder.weichenstellung.info.

 

Weichenstellung – Ein Kooperationsprojekt von großem Wert
von Karola Krause

Seit bereits fünf Jahren ist die Gretel Partnerschule des Projekts Weichenstellung. Das Mentoring-Programm der Zeit-Stiftung unterstützt an unserer Schule Schüler/innen aus Flüchtlings- und Zuwandererfamilien in den internationalen Vorbereitungsklassen und begleitet diese auch beim Übergang in die Regelklasse.

Ich bin Karola Krause, tätig als Lehrerin und Sozialpädagogin in unseren Internationalen Vorbereitungsklassen (IVK). Ich blicke auf eine für unsere Schülerinnen und Schüler sehr Gewinn bringende Projektzeit zurück - und voraus. Denn die Partnerschaft mit Weichenstellung wird weitergehen.


Vertrauen spüren, locker Lernen

Zurzeit haben wir eine Mentorin von Weichenstellung, die Lehramtsstudentin Vivienne Schütt. Sie betreut sechs junge Mentees in der Basisklasse.

Vivienne Schütt fördert und stärkt ihre Mentees individuell, während des Unterrichts, aber auch außerhalb der Schule. Vivienne ist für vier Stunden pro Woche mit im Unterricht. Sie bietet gezielte Leseförderung an und durch die Eins-zu-Eins-Betreuung baut sie sprachliche Barrieren schnell ab.

Die Schüler/innen empfinden keinen Leistungsdruck und erzielen dadurch schneller Erfolge. Sie trauen sich frei und offen zu sprechen, lesen vor der Klasse vor und erweitern ihren Wortschatz deutlich schneller.


Spaß, Kultur, Integration inklusive

Nicht nur in der Schule findet Förderung statt, die Weichen für eine schnelle Integration werden durch Weichenstellung auch außerhalb, am Nachmittag oder abends gestellt – durch ein abwechslungsreiches Begleitprogramm.

Das kulturelle Begleitprogramm wird finanziell gefördert, kostet die Schüler/innen nichts und ist das Highlight für alle Teilnehmer.  Die Mentees machen Ausflüge in Tierparks, Museen, Fußballstadien, besuchen Musicals wie "König der Löwen", spielen Minigolf oder lernen die den öffentlichen Personennahverkehr und damit unsere schöne Stadt kennen – immer begleitet von ihrer engagierten Mentorin. 


Mentorin – mehr als Lehrerin

Vivienne ist zuverlässig für ihre Mentees da, baut dadurch eine Beziehungsebene auf, wodurch sich die Kinder, die gerade vielleicht auf der Flucht alles verloren haben, wieder einen Boden unter den Füßen finden, Verlässlichkeit spüren. Sie fühlen sich durch diese persönliche Begleitung sicherer im "neuen unbekannten Land". Sie werden ermutigt zu lernen und zu leben, ihre Sozial- und Persönlichkeitskompetenz wird gefördert. Kurz: die Kinder gewinnen an psychischer Stabilität.


Stütze in Corona-Zeiten

Auch in Zeiten der Corona-Pandemie ist sie als Mentorin stets für die Schüler/innen da – und das ist sehr wichtig.

Im ersten Lockdown besuchte Vivienne ihre Mentees regelmäßig, um Arbeitsmaterial auszutauschen oder um einfach nur mit ihnen spazieren zu gehen. Das gab den Kindern Halt und sie fühlten sich Wert geschätzt. Im zweiten Lockdown, als die Technik schon weiter vorangeschritten war, führte sie auch Onlineunterricht durch und hatte so regelmäßig Kontakt.


Zuversichtlich in die Zukunft

Das Weichenstellung-Projekt wird weitergehen, so viel steht fest. Wir sind sehr dankbar.

Die Schüler:innen meiner Klasse möchten Vivienne nicht mehr missen. Sie freuen sich jede Woche auf den Tag, an dem Frau Schütt kommt. Mir geht es genauso. Sie unterstützt mich sehr im Unterricht, und durch diese Doppelbesetzung ist die individuelle Förderung noch intensiver möglich.

Gerade befindet sich noch eine IVK im Aufbau, eine mit dem Ziel ESA. Wir erhoffen uns deshalb, zum kommenden Schuljahr ein/e weitere Mentor/in an unserer Schule begrüßen zu dürfen. Der Erfolg des Projekts spricht für sich – man kann ihn direkt ablesen an den strahlenden Augen der Kinder und ihrer Entwicklung.