Uhrmacherin und Uhrmacher. Klingt irgendwie schön, klingt aber auch etwas nostalgisch, antiquiert, aus der Zeit gefallen. Aber, man ahnt es schon, das ist ganz und gar nicht der Fall. Dieses Berufsfeld ist nach wie vor en vogue.
Ein Kennenlernen des Berufs kann also sehr charmant sein. Elf Schülerinnen und Schüler aus dem Jahrgang 10 hatten dazu gestern die Gelegenheit, einen sogenannten Schnupperkurs der Handwerkskammer zu besuchen.
Die Handwerkskammer Hamburg ist übrigens eine Institution, die die Zeichen der Zeit schon lange erkannt hat, insbesondere auch das Riesenproblem mit dem Fachkräftemangel. Zur Nachwuchsgewinnung halten die engagierten Mitarbeiterinnen viele Angebote für Schulen und Schüler vor. Eines davon: Das möglichst praktisch angelegte Kennenlernen eines Berufes oder Berufsfeldes wie eben der Uhrmacherei.
Farmsen. Acht Uhr morgens. Sozialpädagogin Susanne Seipel begleitet die Gruppe seit dem Treffpunkt in Bergedorf. Die Berufsschule BS19 bietet viele technische Ausbildungsgänge, unter anderem auch die schulische Ausbildung zum Uhrmacher bzw. zur Uhrmacherin. Diese führt im Vollzeitunterricht binnen drei Jahren sehr praxisorientiert zum Gesellenbrief.
Wie lief jetzt dieser Schnupperkurs? Aus der Perspektive der begleitenden Sozialpädagogin Seipel war der immerhin sechsstündige Kurs ein absoluter Erfolg. Die Schüler der Gretel wurden von der gleichen Anzahl Azubis in Empfang und profitierten so von einer Ein-zu-Eins-Betreuung. Sogleich ging es ins Praktische. Eine traditionell mechanische Uhr in ihre Einzelteile zerlegen, dann die Einzelteile der Uhr wieder zusammenführen. Knifflig. Weitere Übungen in der Hinsicht folgte.
Praktischer Höhepunkt: Der Bau einer eigenen Uhr. Die Komponenten mussten nun für den Zusammenbau vorbereitet werde, Maß nehmen, Löcher bohren, feilen, lackieren, Mechanik einbauen. Mit diesem, selbst gefertigten Produkt verließen die Schüler die BS19 am Nachmittag wieder. Die meisten vermutlich stolz. Zuvor gab es natürlich noch Informationen zu den Berufs- und Karriereperspektiven des Uhrmachers.
Natürlich sind später Uhrenfachgeschäfte und Juweliere potenzielle Arbeitgeber. Macht auf sicher Freude hochwertige Uhren zu verkaufen, zu warten und zu reparieren. Was aber wenige wissen ist, dass sicher durch das Knowhow dieses filigranen Berufs, für den gute Augen und viel Fingerspitzengefühl notwendig sind, auch andere Branchen eröffnen.
Als Beispiel seien die nautischen Systeme genannt, wie sie sowohl in der Marineschifffahrt als auch im Luftverkehr eingesetzt werden. Sie sind nach wie wichtiger Backup für alles Digitale. Die filigrane Mechanik in diesen Geräten ist genau das Richtige für ausgebildete Uhrmacherinnen und Uhrmacher und lässt diese vielleicht einmal Bloom & Voss oder Airbus landen.
In der Feedbackrunde am Ende der Schnupperei kam von allen Beteilgten Seiten viel Lob. Die Schüler nahmen eine Menge Inputs mit, die Ausbilder und Azubis entdeckten zugleich eine Menge Talent für den Beruf bei den Schnupperkids. „Ein harmonischer Tag, eine tolle Atmosphäre, super Ausbilder und Azubis vor Ort, aufmerksame, interessierte und begeisterte Schülerinnen und Schüler, so fasste Susanne Seipel den Tag zusammen.“ Vor allem: So manche oder mancher hat diesen offenbar zeitlosen Beruf seit gestern in sein Bewerbungsideenportfolio mit aufgenommen – hat den Uhrendreh verstanden.
Bilder: S. Seipel
