Frischgebackene Abiturientinnen und Abiturienten, noch warm von den mündlichen Prüfungen und der Einlaufparade, schwitzten fröhlich mit Anhang und pädagogischem Personal in der Aula der Kleinen Gretel. Die gute Laune resultierte natürlich aus dem gelungenen Bestehen der höchsten allgemeinbildenden Schulabschlüsse.
Aber sie war auch Folge der kurzweiligen und oft sehr lustigen Elemente der Entlassungsfeier am Donnerstagabend (2.7.26). Die Gretel verlässt eine Schülerkohorte, die für Vergnügen und Leistung steht, aber auch für partielle Irritation, nach dem Motto: Was Achtklässler können, können wir immer noch. Aber der Reihe nach.
Leichte Verspätung des Beginns. Viele im Feierabendstau. Dann, alle komplett, Saal bis über den Rand gefüllt, die offizielle Einlaufparade unter viel Beifall. Anschließend Auftritt Oberstufenchor. Die 12er singen für die “Großen”. Michael Jackson, Rihanna, Weltband: We are the World. Schulleiterin Anja Oettinger legt am Mikro vor. Es sei heute ein besonderer Tag, einer des Aufbruchs. Hindernisse werden auch zukünftig kommen. Überwinden, Resilienz zeigen und daran wachsen, so ihre Botschaft. Umwege böten auch Chancen.
Sie richtet sich auch explizit an die Eltern als wichtige Wegbegleiter ihrer Kinder, nun überwiegend Erwachsene. Diese sollten jetzt auch losgelassen werden. Auch das pädagogische und nichtpädagogische Personal, das seit Kita-Zeiten um die Abiturientinnen und Abiturienten herumwuselte, wäre ebenso reifeprägend gewesen, so die Schulleiterin. Nachfolgend der Abteilungsleiter Oberstufe und Tutor der 13a, Ceyhan Cüce.
Er wird förmlich ans Rednerpult applaudiert und merkt im Einstieg an, dass es sich hier, abgesehen von hinzugekommenen Schülerinnen und Schülern um den Jahrgang handelt, der 2017 hier in der Kleinen Gretel als „Neu 5er“ angetreten sind. Nach neun Jahren, Höhen und Tiefen sei man nun am Ziel. Die Zahlen: Insgesamt erhalten 34 Schülerinnen und Schüler ihr Abitur, 14 den theoretischen Teil des Fachabiturs.
Cüce lobt die beiden herausragenden Abiturienten, Multitalent Lotta Wagner (1,4 im Schnitt) und Oleksij Samborskyi (1,2). Oleksij, der mit seiner Familie vor vier Jahren aus der Ukraine flüchten musste, ist ein Musterbeispiel für einen Chancennutzer. Was dieser junge, sympathische Mann leistete, ist phänomenal. In seiner spontanen Rede bedankte er sich für die Sonne (seine Eltern) und das Wasser (seine LehrerInnen), die den „von Gott gesäten Samen“ hätten wachsen lassen.
Weitere Danksagungen hält der Abteilungsleiter für „seine“ Sekretärin Songül Tiras bereit. Sie sei das administrative Herz der Oberstufe und ein ewiger Fels in der schulischen Alltagsbrandung. Auch Irmak Öztürk aus der 13b erhält explizites Sonderlob, habe sie doch die Organisation der der Entlassungsfeier direkt nachfolgenden Abi-Party in die Hand genommen. Mit einem Dank an die Schülerinnen und Schüler des 12. Jahrgangs, die den heutigen Abend gastronomisch betreuen, endet Cüces Beitrag vorerst.
Denn zunächst wird die 13b von ihrer Tutorin Sarah Kuder verabschiedet. Auch Kuder kennt den Kern ihrer Klasse schon seit neun Jahren. Entsprechend ist die Verbindung zu ihren Schülern: vertraut, empathisch, herzlich. Nach Rede, Tipps („Schaut euch in der Welt richtig um" und "Noten sind nicht alles!“) und Bildern aus gemeinsamen Semestern und von der Studienreise, umarmt die Tutorin bei der Zeugnisübergabe alle Schüler ihrer „B“ innig.
Wieder Cüce. Er ist ja auch Tutor. Tutor der Sportklasse 13a. „Angesichts meiner schulischen Karriere seid ihr vermutlich meine letzte Klasse als Tutor gewesen“, sagt er zum Einstieg. Dann folgen, es wurde oben schon angedeutet, Rückblicke auf einige Irritationen im Laufe der Semester. Hier nimmt Cüce nun besonders einige „Jungs“ in den Fokus. Diese bestätigen dann auch in einem selbstgedrehten Video (das sie an dieser Stelle öffentlich machen…) ihr leider oft wenig altersadäquates Verhalten.
Cüce sieht es am Ende der Zusammenarbeit aber sportlich. Es sei zwar eine verdammt anstrengende Zeit gewesen, schließlich habe er aber erkannt, dass „die Jungs“ das Herz auf dem rechten Fleck hätten und irgendwie auch zu ihm passen würden. In diesem Sinne schien es tatsächlich auch zu passen, dass Cüce selbst mit einem Videoclip seiner Schülerin schließt, in dem diese ihre Klasse auf „das Wichtigste“ hinweist: „Genießt euer Leben, Leute!“
Frische Luft! Das ist nach dem offiziellen Teil in der Aula nun das Ziel aller Anwesenden im stickwarmen Saal. In der angenehmen Abendsonne ließ es sich dann herrlich klönen, fotografieren, essen (Fingerfood) und trinken (0,0-Sekt). Besonders bemerkenswert: Es sind viele Pädagoginnen und Pädagogen vor Ort, die die Schüler auf der Gretel begleiteten. Die Atmosphäre ist warm und herzlich.
Das gemeinsame Abi-Diner in der Kantine mit türkischen Spezialitäten ist urgemütlich und entspannt. Satt und glücklich ging es dann zurück in die mittlerweile umdekorierte Aula, in der ein DJ bereits wieder einheizte: Abi-Party! Vollgasende! Müde und sicher verschwitzt löschte Abteilungsleiter Cüce nachts um halb drei die Lichter und schloss hinter den in ihre Zukunft laufenden Reifegeprüften ab.
