Schreiben, Hauptsache nichts Langweiliges. Voltaires Animation traf die Schülerinnen und Schüler der 8f peu à peu in kleinen Dosen, glaubten sie doch zunächst der Ankündigung ihres Tutors Patrick Tscherning nicht wirklich, dass die ganze Klasse ernsthaft einen Roman schreiben soll. Doch, sollte sie. Tscherning war von der „Schulhausroman“-Idee überzeugt. Tja, und dann ging es ans Schreiben. Professionelle Hilfe bekamen die Achtklässler von Autorin Isabel Abedi.
Emil aus der 8f ist stolz. Er wird als Mitautor des Romans Eine etwas andere Klassenfahrt genannt. Man habe viel Erfahrung gesammelt, sagt er. Auch Kaja und Veronika empfanden die vier Monate Autorentätigkeit als spannend und lehrreich, manchmal sehr herausfordernd und anstrengend, am Ende aber richtig cool, so Kaja. Kein Wunder, ging mit dem Release des 72-seitigen Erstlings der Klasse gleich auch eine öffentliche Lesung im Literaturhaus am Schwanenwik am vergangenen Montagabend (23.2.26) einher.
Darauf bereiteten sich die Schülerinnen und Schüler fokussiert vor, trainierten zuvor Abläufe und das Sprechen ins Mikrofon in der Aula der Großen Gretel. Die Simulationen halfen. Zwar waren alle aufgeregt bis in die Haarspitzen, aber mit dem ersten Wort sei das Lampenfieber verschwunden, so die Kids. Am Ende seien alle erleichtert und glücklich gewesen – auch darüber, dass sich an diesem Abend die erste Auflage bereits komplett verkaufte. Nun wartet alle Welt auf die zweite.
Das Interesse wundert nicht, versprüht doch der Roman der 8f schon im Klappentext unglaubliche Spannung. Eine Klasse fährt in ein abgelegenes Zeltlager. Plötzlich verschwinden alle Lehrer. Die Schüler sind auf sich allein gestellt… "Im Buch geht es um eine Klasse, die über die Herausforderungen zusammenwächst”, erklärt Kaja, “irgendwie wie wir, während unserer Arbeit am Roman”. Und? Wie lernt man Romanschreiben?
“Wir hatten ja Isabel. Sie kam meist alle zwei Wochen zu uns. Zwischendurch haben wir geschrieben. Am Anfang haben „Was-wäre-wenn-Übung gestanden”, erläutert Lolita. Dabei sei die Idee aufgeploppt, was eigentlich wäre, wenn eine Klasse plötzlich alleine da stünde, ohne Erwachsene. Ein passender Handlungsort wurde gefunden. Die Protagonisten kreiert und charakterisiert. Ein Storyboard entstand. Unter Anleitung von Isabel Abedi ging es in die Details. Jahreszeit? Zeltplatzaufteilung? Wie sitzen die Protagonisten im Bus, wie riecht es dort? Eine Online-Bekanntschaft als Sidekick?
Am Ende überzeugt der Plot. Er ist nicht linear, nichts ist einfach, die fiktive Klasse muss kämpfen. Aber, verrät Anastazja, ein kleines Happy End gebe es schon. Dieses positive Gefühl haben auch Patrick Tscherning, sein Co-Tutor Marius Jacobsen sowie Schulbegleiterin Florinda Azinheira. Der Tipp mit dem Projekt Schulhausroman, das übrigens schon seit 2010 viele, viele Hamburger Schulklassen zu Autorenkollektiven hat werden lassen, sei Gold wert gewesen.
Die 8f sei bunt und vielfältig, besetzt mit den unterschiedlichsten jungen Menschen. Für mehr Gemeinschaft, Freundschaft und Identität sei das kreative Schreiberlebnis eine gute Option gewesen, so Tscherning. Der kreative Romanprozess habe die Klasse aus der Sprachlosigkeit geführt. In der Tat wurde durch das Projekt etwas in Gang gesetzt. Blockaden scheint es nicht mehr zu geben, stattdessen ein Verlangen nach mehr. „Wir haben schon Bock auf einen zweiten Teil der Geschichte“, so Tuana. Na dann ;-))
Infos zum Projekt Schulhausroman: Jede/r kann schreiben!
Unterstützt von der Bürgerstiftung Hamburg und Junges Literaturhaus Hamburg
