Jedi nennen sich die legendären Friedensritter, die im Star-Wars-Universum als Krieger, Diplomaten und Beschützer der Schwachen den hellen Pfad der Macht nutzen. Der „Pfad der Macht“ war am vergangenen Samstag mal heller, mal dunkler, mal trocken, mal nass, auf alle Fälle aber ziemlich rund. Über 200 Aktive aus allen Bundesländern, fantasievolle Laufkostüme, Politprominenz, Bühnenshows, ein buntes Rahmenprogramm und megatolle Stimmung. Es war wieder: Gretel hilft! in der Gretel-Bergmann-Schule - der in der deutschen Amateurlaufszene bereits legendäre Ultramarathon-Spendenlauf.
Bereits im dritten Jahr in Folge richtete die Gretel-Bergmann-Schule das Spendenlaufevent in dieser zielgerichteten Form aus, naja, eher ja als kreisrunde Sache. In diesem Jahr, so entschieden die Schülerinnen und Schüler, sollte der Verein Gefangene helfen Jugendlichen (GJH) der Spendenbegünstigte sein. Mit GJH kooperiert die Gretel schon seit vielen Jahren. Unzählige Jugendliche erhielten von Ex-Häftlingen nicht nur sportliche Ratschläge im wöchentlichen Boxtraining. Wertesystem, Selbstwertgefühl und friedliche Konfliktlösungsstrategien sind wichtige, übersportliche Vermittlungsbausteine.
Bedingungen
Bewegen wir uns nun zum eigentlichen Tag, 21. Februar 2026, Running-Day. Die organisatorische Herausforderung, sie deutete sich an. Wechsel von Dauerfrost zu Tauwetter in der Nacht zuvor. Martin Raetz, selbst bis in die letzte Körperzelle Dauerläufer, Initiator von Gretel hilft! und Cheforganisator, blieb ruhig. Schnell besorgte er noch Trockenteppiche für den Wiedereintrittsbereich der Laufenden in die Schulatmosphäre. Ungefähr ein Drittel der Strecke wird nämlich über den Schulhof zurückgelegt – der sich am Samstag auftauend präsentierte. Die Feuchtigkeitsreste auf dem „magischen Pfad“ wurden von zahlreichen lieben Helferlein stets verwischmobbt, so dass es keine Ausrutscher gab. Für die Sicherheitsbemühungen gegenüber den Aktiven gab es später dann auch viel Lob.
Check-in
Zuvor aber, am Morgen, hieß es für die großen wie kleinen Läuferinnen und Läufer zunächst einmal: Check-in! Startnummer und Transponder holen, umziehen, oft sogar kostümieren und schminken. Denn: Es wurde in diesem Jahr erstmals ein Sonderpreis ausgerufen: ein Einhorn-Pokal für das beste Laufkostüm. Wählen durften alle Aktiven über eine eigens eingerichtete App. Das Ergebnis wird an dieser Stelle noch nicht preisgegeben, es führt allerdings, na klar, an Weisheit und Disziplin nicht vorbei. Am Anfang steht aber der Anfang. Start kurz nach 10 Uhr für alle, und das waren rund 50, Teilnehmenden am Ultramarathon. Vor ihnen lagen sechs Stunden Bewegung in der Umlaufbahn des Gretel-Universums.
Prolog
Gretel hilft! eingeläutet hatte Schulleiterin Anja Oettinger kurz vorher auf der Bühne. Sie machte deutlich, wie wertvoll diese Spendenaktion für alle Schulbeteiligten ist, denn Solidarität sei ein wichtiger Lebensbaustein. Sie nahm sich auch die Zeit, allen in Organisation und Durchführung beteiligten schulischen Akteuren für ihr großes Engagement zu danken. Ein Riesendank ging an die Sparda-Bank Hamburg Bergedorf und dem Quartiersrat Neuallermöhe, ohne deren Unterstützung die Finanzierung der Organisation nicht hätte bewältigt werden können. Natürlich waren Vertreterinnen und Vertreter von GHJ an Bord (Annika und Mariessa liefen 10 km), die Verpflegungssponsoren Edeka-Göttsche und Rebional. Besonders freute sich Oettinger über den Besuch von Cornelia Schmidt-Hoffmann. Die Chefin des Bezirksamts Bergedorfs (SPD) nahm die Einladung gern entgegen und betonte in ihrem Grußwort die Wichtigkeit von schulischer Strahlkraft Richtung Mitmenschlichkeit. Der Spendenmarathon würde genau das zeigen.
Rahmenprogramm
Während es für die Laufaktiven nun langanhaltend rund lief, präsentierte das Gretel-Organisationsteam erstmals ein ausgeweitetes Rahmenprogramm, womit sie Nachbarschaft aus Quartier und Bezirk zum Gretel hilft!-Stern locken wollte. Und das gelang. Eine Tombola, ein Flohmarkt auf der Galerie der Schulaula, dem Epizentrum der Laufgalaxie, ein Kuchen-Café, der Mocktailstand der 12b sowie zahlreiche Bühnenauftritte befriedigten Kauflust, Hunger, Durst und sorgten ferner für große Augen. Ibo, Ex-Häftling und Boxtrainer im Dienst des GHJ, demonstrierte mit seinen aktuellen Schülerinnen und Schülern der Gretel Aspekte und Lernziele des Boxtrainings an der Gretel und die Mini-Cheerleader Supreme’s on Deck der Hamburg Swans zeigte ausgezeichnete Akrobatik, die die Zuschauenden absolut begeisterte. Bei so viel Parallelwelten bedarf es einer besonders professionellen und motivierenden Moderation. Dazu stehen an der Gretel zwei Koryphäen zur Verfügung: Mario Schulmann und Claudia Beumer. Sie waren besonders den Aktiven zugewandt, wenn diese die Aula-Passage „durchflogen“.
Lauffreude
Jetzt wird es etwas euphorisch. Das, was man als Berichtende bei Gretel hilft! erleben darf, ist einzigartig! Hier treffen unglaublich herzliche und aufgeschlossene Menschen aufeinander. Ihre Intention: Freude am Laufen und Spenden für eine gute Sache. Sie kamen 2026 aus allen Bundesländern, verrückt! Es sind Einzellaufende, häufig Mitglieder aus unzähligen Laufgruppen bzw. Vereinen (die wir hier sooo gerne alle einzeln genannt hätten, aber es sind zu viele), die Gretel hilft! auf den communityeigenen Plattformen für sich entdeckt haben. Das Feld der Laufenden wird ergänzt durch Staffeln aus Schulbeteiligten und ganzen Familien aus Hamburg und Umgebung. Das Miteinander ist tolerant und sportlich fair, die gegenseitige Unterstützung und die der Sache absolut bemerkenswert. In der Summe ergibt das eine einzigartige Atmosphäre, die gerade deshalb so geschätzt wird.
Kostüme
Bemerkenswert war auch, wie viele Laufaktive der Idee des Kostümlaufs nachkamen. Was nicht alles durch die Gänge rannte. Kreative Outfits, inspiriert durch die Märchen- oder Comicwelt (Rotkäppchen, schöne Feen, Mini Maus, Minions) oder das typische Juniobst (Erdbeere). Tiere als Kostümblaupause waren ebenfalls ein Renner, wobei besonders das coolbebrillte Zebra Vorbildcharakter zeigte (High Five!). Völlig verrückt: Die Staffel der Freiwilligen Feuerwehr, deren Mitglieder in voller Montur ihre Runden drehten und dabei noch Energie für Tanzeinlagen zeigten. Unglaublich schön: Es wurden selbst Gretel hilft!-Logo professionell in die Laufkostüme eingearbeitet. Ein großes Kompliment also an den Einfallsreichtum und das Engagement der Teilnehmenden, sich auf diese Art zu Laufen einzulassen, denn warm wurde es allemal. Das musste auch Martin Raetz feststellen, der nach wenigen Runden im Ganzkörper-Einhorn-Kostüm völlig durchnässt das Handtuch warf.
Familienstaffeln
Eine runde Sache und echter Renner waren die Familienstaffeln über 10 Kilometer. Marco und Sandra (beide 39) sind mit ihren Töchtern Maylin und Sophie (8 und 12) extra aus Norderstedt nach Neuallermöhe gekommen. Sie waren begeistert von ihrem ersten gemeinsamen Familienlauf. Kinder überglücklich und stolz, professionelle Organisation, Verpflegung und Moderation, so Marco. „Das ist ein großartiger Familientag inklusive Sachpreise in der Familientüte.“ So erreichten eine ganze Reihe glücklicher Familien oder Freundeskreise ihr sportliches Ziel mit ganz viel Teamgeist und Freude am Laufen und Zusammensein. Selbstverständlich waren auch Staffeln der Gretel aktiv. So bestritten beispielsweise drei Jungs aus der 8b mit ihrer Tutorin Bianca von Lindern und deren kleinen Töchtern gemeinsam 30 Runden in der Gretel-Galaxie. Bravo!
Wettbewerb
Sportlich ging es in diesem Jahr spannend zu. Es gab eine Reihe von Anwärterinnen und Anwärtern auf die Pokale im Ultramarathon, die zusätzlich zu den Medaillen für alle Teilnehmenden vergeben werden. Bei den Männern musste Vorjahressieger (72 km in 6 h) und Topfavorit Christian Brachvogel leider nach 30 km wegen muskulärer Probleme abbrechen.
So war der Weg frei für den „Tutu-Träger“ Grzegorz, 2025 noch „Vize-Champion“. „Sieger“ Grzegorz (SWAT Hamburg) lief in den sechs Stunden 66,5 km – und damit 199-mal durch die Schule. Glückwunsch! Aber auch der vereinslose Bernd, auf Platz 2, schaffte mehr als 64 km. Den Dritten machte Manuel (@masleben) Knapp dahinter (64,2).
Bei den Damen belegte Doreen (LSF-Unna-2000) den dritten Platz mit 55,2 km. 58,5 km legte Madeleine (Triabolos Triathlon Hamburg e.V.) zurück. 700 Meter mehr kreisrundelte am Ende Gewinnerin Beatrice vom Spiridon Club Bad Oldesloe (59,2 km). Besondere Glückwünsche an die Sechs und Glückwünsche an alle Teilnehmenden - denn gewonnen hat am Samstag jede und jeder.
Finale
Alle Preise waren nun, nach sechs umlaufbahnrunden Ultramarathon-Stunden, vergeben. Alle? Nein. Der Sonderpreis fehlte noch. Wer bekam den Preis für das schönste Kostüm? Gespannt? Das Voting fiel relativ eindeutig aus und deutete sich textlich ja schon an. Die Jedi-Ritter-Familie Wetzel schnappte sich das Einhorn. (Ich bin dein) Vater Christoph und Mutter Sabrina waren zu Recht stolz auf ihre kleinen Padawanen John und Toni, die ihre Lichtschwerter 10 km durch die dunklen Gänge und Pfade führten. Es sah also so aus, als wäre die Macht mit ihnen gewesen.
Spenden
Die exakte Spendensumme steht zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht fest. Die freiwilligen Anmeldegebühren für die Laufteilnahme machen aber den Großteil aus. Dazu kamen nochmal rund 850 Euro zusätzliche Barspenden rund um die Veranstaltung. Selbst unser Schulsprecherteam spendete spontan eine nicht unerhebliche Summe aus ihren Einnahmen vom traditionellen Valentinstag-Rosenverkauf. Der Verein Gefangene helfen Jugendlichen darf sich also auf eine stattliche Summe weit über 3000 Euro freuen. Großartig, vielen Dank an alle Spendenden!
Danksagungen
Die Sachpreise (Tombola, Familienstaffeln etc.) werden jedes Jahr von Unternehmen zur Verfügung gestellt, die die solidarische Intention von Gretel hilft! von Herzen und ohne Gegenleistung unterstützen. Danke!!!
Hansa Kino Bergedorf
Hamburg Dungeon
Sachsentor-Buchhandlung
Miniaturwunderland Hamburg
Heymann Buchhandlung
Gebr. Heinemann
Ein herzliches Dankeschön natürlich auch an alle Helfenden aus Schule und Schulumfeld für euren Einsatz. Danke an das Team Sicheres Wasser e.V. (SiWa). Ihr seid großartige Ehrenamtler und Stimmungskanonen! Ein großes Dankeschön an unsere Damen aus den Schulbüros für ausgezeichneten Weitblick und bravouröses Engagement, ebenso an unsere unermüdlichen FSJler ;-)) Vielen Dank an TopZeit, so professionell kann Zeit vergehen…! Wir bedanken uns beim NDR, der Gretel hilft! schon seit Jahren als „Wetter-Rahmen“ für sein Hamburg Journal mit Freude verarbeitet (Link zur ARD-Mediathek unten). Und natürlich:
Danke Martin!
Hamburg Journal vom 21.2.26 | Bericht Gretel hilft! 2026 | Intro und Ende
Service
An dieser Stelle gibt es bald einen Link, mit ihr, ihr lieben Aktiven, euch euer Foto von der Veranstaltung kostenlos abholen könnt.
Reaktionen
Die ersten Feedbacks und Kommentare vom 21.2.26 gab es schnell auf Instagram. Sie waren voll des Lobes für Organisation und Atmosphäre! Auch dafür vielen Dank. Wir wissen euren Zuspruch zu schätzen. Exemplarisch hier ein Statement von Teilnehmer Thorsten, Ultraläufer und Kollege aus Hamburg:
Eine unglaublich professionell organisierte Veranstaltung mit insgesamt 200 Einzelstartplätzen plus Staffeln. Beste Verpflegung, tipptopp Stimmung und ganz viele nette Menschen.
Riesen Dank an die Gretel-Bergmann-Schule, alle Kolleginnen und Kollegen, die mit angepackt haben, alle Schüler/innen und Schüler, sowie alle Eltern, die geholfen haben. Ihr seid großartig und könnt stolz darauf sein, was ihr auf die Beine gestellt habt. Chapeau! Uneingeschränkte Weiterempfehlung.
[...] Von mir als Teilnehmer auch an dieser Stelle noch ein ganz, ganz herzliches Dankeschön. Die Veranstaltung war tipptopp organisiert und das alles ehrenamtlich! Man hat an jeder Stelle gemerkt, wie viel Liebe und Herzblut ihr in jedes Detail gesteckt habt. Das haben wohl alle Teilnehmer so registriert, die Stimmung war nämlich die ganze Zeit fantastisch. Beim und nach dem Zieleinlauf der 6 Stunden fand ich es schon ein bisschen magisch. Gänsehaut! Das habt ihr ja alles ehrenamtlich auf die Beine gestellt, mit ganz viel Einsatz in eurer Freizeit. Ein ganz großer Dank [...]
