Scheinbar ist es ein Rückschritt. Vielleicht ist es aber auch ein allgemein erhellender Step in die richtige Richtung. Von der Schulleitung kam heute das Okay. Der gute alte Bildwerfer, der Overheadprojektor (OHP), erlebt seine Renaissance.
In einem Pilotprojekt wird bis zum Schuljahresende ausprobiert, ob der Visualisierungs-Apparat aus dem vergangenen Jahrtausend nicht genau die Fähigkeiten wieder fördern kann, die durch die progressive Digitalisierungsbewegung des letzten Schuljahrzehnts „vernachlässigt“ wurden: Umgang mit analogen, mechanisch-optischen Systemen, direkter Kontakt mit „robuster“ Elektrotechnik, Schulung der Auge-Hand-Koordination – kurz: Malochen statt Mäuse klicken, streichen und wischen auf unromantischen Screens.
Die 8g wird OHP-Pilot-Klasse. Tutor Tom Greiff ist voller Vorfreude. Er hat als einer von wenigen 60ups im Kreise der Mitarbeitenden den zehn Kilo schweren Lichtklops in guter Erinnerung. „Da braucht’s Geduld und Liebe, um die Schärfe richtig einzustellen. Eine Wissenschaft für sich, besonders bei raumexterner Sonneneinstrahlung.“ Er glaubt, seine Schülerinnen und Schüler werden es lieben und vordigitale, fast verlorengegangene Skills erlernen. Ein Problem bleibt allerdings.
Noch wurde erst ein Rollwagen für den OHP entdeckt. Verlassen vegetierte dieser in der Theaterrequisite. Allein, es fehlt der Gerät, ein OHP? Vor Jahren gab es ja eine großangelegte Abwicklungsaktion. Schwer vorstellbar, dass noch viele funktionsfähige Exemplare im Hause sind. Eines wird aber sicher irgendwo vergessen worden und zu finden sein. Das Hausmeisterteam ist mittlerweile mit der Suche beauftragt worden. Generell ist man in der Gretel ja zuversichtlich. Es bliebe ja noch ein Besuch des Technikmuseums.
Derweil kann sich Greiff überlegen, wie er die Projektion – wenn sie dann gelingt – auf die Wand bekommen möchte. Freie weiße Fläche existiert in seinem Klassenraum nämlich nicht mehr. Aber, dazu hat er bereits einen Plan. Mit dem alten weißen Spannbetttuch aus seiner Studentenzeit wolle er den hochmodernen, digitalen C-Touch abdecken. So, erzählt er stolz, seien nahezu zwei Quadratmeter Fläche im richtigen Blickwinkel zu generieren.
Greiff will sogar weitergehen und präsentiert die nächste Idee konsequenter Re-Analogisierung von Schule: Die guten alten Matrizendrucker sollten aus seiner Sicht die stromfressenden und Schadstoff-emittierenden und ohnehin laufend streikenden Kopierer ersetzen. Industrienostalgie in Form von simpler Mechanik, solidem Spiritusgeruch, schlecht lesbarer, dafür aber handwarmer Endprodukte. Der Vorschlag wird diskutiert.
