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10.06.2018 Von: Grf

Schulfrei für WM-Titel: Derrick in L.A.

Kalle Kruse, unser Schulleiter, zögerte nicht. Er befreite Derrick Adjei per Sonderdekret vier Tage von der Schule, um an einem bedeutenden eSport-Event in den USA teilnehmen zu können. Und wünschte ihm dafür natürlich viel Erfolg und immer reichlich Tinte auf dem Füller.

Scharf geschossen wird aus allen Rohren, die sich das Team zuvor strategisch erarbeiten muss. Es ist an Shooter-Games angelehnt – allerdings: Es sind mit Tinte gefüllte Geschosse, mit denen Territorien abgesteckt werden, die die Radien der Gegner einschränken. Splatoon2 heißt das Nintendo-Spiel, das, wie Derrick betont, eher kindlich gehalten ist und ihn durch Design und Spielweise seit Jahren fasziniert.

Derrick (17), Schüler der Sportklasse 11 von Martin Raetz, beherrscht das Spiel meisterhaft. Er ist nicht nur Deutscher Meister, vor kurzem ist er mit seinem Team in der Schweiz sogar Europameister geworden. Nun geht es in der Stadt der Filmträume um die Erfüllung eines „sportlichen Traums“: den Gewinn der Weltmeisterschaft. Denn hier tritt Derrick mit seinen Back Squids, so heißt sein Team, gegen die besten Teams der Kontinente Nordamerika, Australien und Asien an. Am 10./11. Juni kämpfen also vier Teams um die Weltmeisterkrone bzw. den Pokal. Flug, Unterkunft, Verpflegung übernimmt Hauptsponsor Nitendo.

Im spontanen Interview zwischen Tür und Angel am Freitagvormittag wirkt Derrick sympathisch und entspannt. Keine Aufregung darüber, dass er morgen nach Los Angeles fliegt. Er rechnet sich mit seinen Back (von backen) Tintenfischen („Den Namen haben die Fans gevotet“) durchaus reelle Chancen auf den Titel aus. Was sie dann machen, frage ich. „“Wissen wir selbst nicht“, antwortet er zurückhaltend. Er freue sich auf die Jungs seines Teams, das gut funktioniere, obwohl sie sich in der Schweiz zur Europameisterschaft erstmals alle persönlich kennengelernt hatten. Man spiele ja schließlich eSport, da connected man ganz informell online.

Seine Mutter schenkte ihm zum achten Geburtstag ein Nintendo DS. Das war der Karrierestartschuss. Ein Youtube-Video eines Gamers hätte ihn dann vollends inspiriert. So gut wollte er auch werden, und besser. Nun gehört er zu den besten Splatoon2-Playern der Welt. Von einer K.P.-Boateng-Attitüde ist er aber weit entfernt. Derrick wirkt vor allem natürlich, familiär, authentisch. Das wird ihm sicher helfen an den zwei Turniertagen in Kalifornien. Am kommenden Donnerstagnachmittag sei er wieder in Hamburg, so Derrick, Freitag ist Schule. Vielleicht steigt er ja mit einem Pokal aus dem Flieger. Wir drücken alle Tintenfischdaumen!