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10.06.2018 Von: Grf

Stormy Weather bei Sonnenschein und 30 Grad

Am vergangenen Donnerstag hielt der spendable Frühsommer mal wieder Hochsommerwetter für uns Neuallermöher vor. Äußerst angemessen, war doch die Projektmanagerin der Robert Bosch Stiftung, Annett Giebelhausen, bei uns zu Gast. Sie war erst kurz zuvor aus Stuttgart eingeflogen.

Unser seit März 2018 angelaufenes Kooperationsprojekt Stormy Weather (Bericht März | mehr) läuft seit zwei Monaten, unsere Wetter- und Windstationen sammeln seitdem fleißig Daten (noch vorwiegend Sonnenscheinstunden…) Schüler aus Mittel- und Oberstufe lernen wissenschaftliches Arbeiten und Verarbeiten der Daten, treffen sich mit Studenten des Meteorologischen Instituts der Uni Hamburg, analysieren, vergleichen, forschen.

Genau dieses gemeinschaftliche, übergreifende Wissenschaftlichkeit im Sinne von Nachhaltigkeit und Klimazukunft fördert die Robert Bosch Stiftung mit ihrem Projekt Our Common Future. Da passt Stormy Weather wunderbar rein. Annett Giebelhausen hatte angekündigt, sich ein persönliches Bild vor Ort machen zu wollen und reiste morgens aus Stuttgart an.

Unser Großer Konferenzraum war gut gefüllt mit am Projekt beteiligten Schülerinnen und Schülern sowie Lehrerinnen und Lehrern. Schulleiter Karlheinz Kruse merkte man an, dass er stolz ist auf dieses Projekt, das zeigt, dass auch Stadtteilschulen willens und in der Lage sind Wissenschaftsorientierung quer durch alle Jahrgänge zu verankern. Mit einem Unterschied. Wir machen es praxisorientierter.

So betont in der locker geführten Gesprächsrunde zum Beispiel Leonard (12a), der von einem Gymnasium in Schleswig-Holstein zum Schuljahresbeginn zur Gretel wechselte, die Praxisnähe. Als Schüler entwickelt man die Aufgabe selbst. Wir sammeln Daten und Materialien und kreieren unsere eigenen Fragestellungen daraus. Das ginge deutlich über den konventionellen Unterricht an Oberstufen hinaus, sei viel praxisnäher. Beispielsweise werde Mathematik durch die angewandte Dimension nun wesentlich interessanter.

Marcel und Thomas (12. Klasse) kommen beide aus der GS Bergedorf, eine von drei Stadtteilschulen, mit denen die Gretel in der Oberstufe eng zusammenarbeitet, schulübergreifende Profile anbietet. Sie schließen sich Leonards Sicht an, finden den Kontakt und die Hightech-Analysegeräte und Forschungseinrichtungen an der Uni faszinierend und die Zusammenarbeit mit den Meteorologen spannend. Es sei gigantisch, mal selbst ein Beaufort 12 im Windkanal zu spüren Zudem schätzen sie den Wert ihrer Arbeit hoch ein und wollen bei nachrückenden Schülergenerationen Interesse an wissenschaftlichen Arbeiten wecken.

Hannah und Julia aus unserer Oberstufe sehen vor allem die globale Herausforderung des Klimawandels im Vordergrund. Beide finden es wichtig, diesen in den Fokus auch ihrer Generation zu rücken und ihren Beitrag  zumindest im Kleinen leisten zu können. Eine akademische Karriere im Naturwissenschaftlichen Bereich streben übrigens beide an.

Darüber hinaus verändern nach Ansicht der anwesenden Schüler und Lehrer die neuen Arbeitsformen auch deren Beziehung. Das Arbeitsverhältnis würde intensiver, kollegialer, vertrauter. Im Übrigen erweitern ja auch die Lehrer ihre Horizonte. Ole Elay (Mathelehrer) findet die Anwendungsnähe und Komplexität der Themenspannend und freut sich bereits auf die „Verfolgung“ der Wetterballons in dreidimensionaler Bestimmungsform.

Andreas Alfers (Geografie) sammelt mit seinen Schülern fleißig Messdaten, die auch in die Bebauungsplanung von Oberbillwerder, dem großen Neubaugebiet in der Nähe, einfließen sollen. Angela Rudat und Claudia Schindler sind ohnehin überzeugte Naturwissenschaftlerinnen und konzentrieren sich mit ihren Schülern der 9. Klasse (MINT- und NaWi-Profile) auf die konkreten Einflüsse von Mikroklima auf die Bebauung in der unmittelbaren Umgebung der Gretel - messen und analysieren, teils in freiwilligen AGs, vor allem auch der Windgeschwindigkeiten, stehen im Fokus.

Überhaupt der Wind. Cyhan Cüce (Geografie) sieht in ihm einen für unsere Breiten eine bestimmende Größe, die in der Stadtentwicklung und in der Bebauungsplanung deutlich mehr Betrachtungsgewicht braucht. Einen frischen Nordwest kennt man in Stuttgart durch die sogenannte Troglage eher nicht. Annett Giebelhausen jedoch stellt auch noch nach 60 Minuten frische Fragen und fasst dann ihre Eindrücke zusammen: „Ich spüre ganz großes Engagement und Herzblut bei allen Beteiligten – so kann Schule auch sein.“

Anschließend ging es für die Projektmanagerin zusammen mit Schulleiter Kruse und Claudia Schindler noch in den Schulgarten. Hier wurde die Messstation inspiziert. Am Nachmittag dann führte sie ihr Weg zur Uni, zu unseren akademischen Partnern des Meteorologischen Instituts.