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14.11.2017 Von: Grf

Täter und/oder Opfer - Eine Auseinandersetzung mit den Verbrechen des Nationalsozialismus

„Eure Schritte sind verstummt, doch die Spuren eures Lebens bleiben.“ Diese Inschrift trägt ein schwarzer Trauerstein, den zwei Mädchen der 10e hergestellt haben. Die Besuche von des KZ Neuengamme und der Gedenkstätte Bullenhuser Damm hatten sie dazu inspiriert. Dieses ist nur eines von vielen beeindruckenden Produkten, die Schülerinnen und Schüler der 10. Klasse in der letzten Projektwoche kreierten.

Zuvor aber bekamen heute die Zuhörer in unserer Schulbibliothek prominenten Besuch. Bernd Nette hatte sich angekündigt. Er ist der Autor von „Vergesst ja Nette nicht“, einer sehr persönlichen, aber nicht versöhnlichen Abrechnung mit seinem Großvater Bruno Nette. Die Tatsache, dass dieser an Kriegsverbrechen beteiligt war – zumindest administrativ als „Judenreferent“, der Deportationslisten in Bremen ausstellte – war lange Zeit nicht bekannt. Er lebte nach dem Krieg lange Zeit unbehelligt, wie viele Altnazis. Doch sein Enkel deckte seine wahre Vergangenheit in dem vor wenigen Jahren erschienen Buch auf.

Bernd Nette fand in seiner Mischung aus Vorlesen und Erzählen schnell Zugang zu den Schülern aus der 10. Und 12. Klassen. Auch die anwesenden „außerschulischen“, erwachsenen Besucher, die im Rahmen der laufenden Bergedorfer Gedenkwoche zu dieser Veranstaltung gekommen waren, konnte er mit seiner offenen und ehrlichen, teils sehr intimen Art beeindrucken. Einen Teil der eigenen Familie quasi zu verraten, empfanden sie als sehr mutigen Schritt.

Letztlich zog der Autor auch einen cleveren Brückenschlag in die Gegenwart. Er kritisiert die zunehmende Verrohung und fürchtet den zunehmenden Rechtsruck in Europa.

Das letzte Drittel der zweistündigen Veranstaltung gehörte den Schülern aus den 10. Klassen. Es wurden Info-Texte, Prosa-Geschichten, kurze und lange Gedichte vorgetragen. Diese beindruckten nicht nur durch ihre Erzähldichte, auch durch Poesie und intensiven Perspektivwechsel. Hier leisteten die Schüler Erstaunliches. Sie lasen ihre Beiträge, beispielsweise über die letzten Stunden eines Kindes in Ausschwitz, mit viel Empathie vor. Das ging unter die Haut.

Auch wurden Kränze und dreidimensionale Bilder vorgestellt, bestehend aus Rosen. Eine Reminiszenz an den Rosengarten am Bullenhuser Damm. Kreativ und stilsicher gelang das große Plakat mit dem schlichten Aufruf „Nie wieder“ auf Basis von 100 Begriffen aus dem Nationalsozialismus und Holocaust, notiert in vielen verschiedenen Sprachen. Auch der scheinbar wahllos ausgesuchte Stein mit der Inschrift hat eine tiefergehende Bedeutung. Wer jemals einen jüdischen Friedhof besuchte, wird es wissen. Eure Schritte sind verstummt, doch die Spuren eures Lebens bleiben.